Investieren mit Stil

In Zeiten des Smartphones scheinen klassische Armbanduhren aus der Mode gekommen. Doch das stimmt nicht. Die Zeitmesser am Handgelenk erleben einen Boom als Schmuckstücke und Statement. Und manchmal auch als Wertanlage.

Text: Wolfgang Hörner

Ein Relikt einer vergangenen Zeit: Nüchtern betrachtet haben es Armbanduhren heute schwer. Die Uhrzeit lässt sich einfacher und genauer von jedem Handy ablesen. Von ihm trennt sich kaum jemand, weshalb klassische Armbanduhren fast überflüssig erscheinen – zumal sie durch Smartwatches fürs Handgelenk zusätzliche Konkurrenz erfahren. Dabei waren es einst die Armbanduhren und ihre Vorläufer, die Taschenuhren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Zeit mobil machten. Bis dahin wurde die Uhrzeit nur durch Kirchturm- und Rathausuhren angezeigt, bei wohlhabenden Familien auch durch Standuhren in der guten Stube.

Goldstandard. Die Rolex Cosmograph Daytona zählt zu den Uhren, die sich seit Jahrzehnten großer Nachfrage erfreuen, extrem wertstabil sind und preislich sogar zulegen können.

Trotzdem erlebt die Uhrenbranche seit ungefähr 20 Jahren einen unglaublichen Boom. Ein Widerspruch? Nein, sondern eigentlich eine naheliegende Konsequenz. Das liegt zum einen an der hohen Wertigkeit klassischer Armbanduhren, die im Unterschied zu Smartwatches und Smartphones nicht nach zwei oder drei Jahren schon wieder veraltet sind. Zum anderen – und das betrifft Herren- stärker als Damenuhren – sind sie Schmuckstücke mit Aussagekraft.

Für Männer gelten Armbanduhren noch immer als der einzige wirklich etablierte Schmuck, gerade auch im Geschäftsleben. Und sie können eine Geschichte erzählen, etwas zum Ausdruck bringen. Einiges davon mag Fiktion sein, während anderes schon einen Bezug zum persönlichen Leben hat. Wer gern tauchen geht, zeigt dies im Büro mit einer Taucheruhr am Handgelenk. Die Klischees rund um die bekanntesten Luxusmarken wie Rolex oder Breitling enthalten trotz aller Oberflächlichkeiten auch einen wahren Kern: die Uhr als Statussymbol für Erfolg, zum Ausdruck gebracht mit Markenzeichen, die für jedermann erkenntlich sind.

Grundregeln für den Uhrenkauf

Die Uhrenbranche umweht der Ruf, Zeitmesser mit Wertsteigerungen zu produzieren. Tatsache ist, dass es Armbanduhren gibt, die ab dem Kaufdatum an Wert zulegen oder über die Jahre immer teurer werden. Allerdings muss klar gesagt werden: Aus dem weiten Feld aller heute angebotenen Armbanduhren betrifft das nur einen kleinen Teil der Modelle – zumeist auch nur solche, die bereits einen hohen Grundpreis haben.

Dauerbrenner seit 70 Jahren. Uhren wie die Longines Conquest, die über einen langen Zeitraum gebaut werden, zeugen vom Erfolg von Marke und Modell und sind relativ wertstabil.

Wer interessiert ist an einer Armbanduhr mit dem Potenzial eines Zugewinns, sollte die drei M der Branche kennen, die über den Wert entscheiden: Machart, Marke und Material. Bei der Machart ist entscheidend, dass es sich um ein mechanisches Uhrwerk handelt. Quarzuhren sind günstiger, unter Uhrenliebhabern jedoch ein No-Go. Das zeigt sich auch im schlechten Werterhalt. Bei den mechanischen Werken ist es indes egal, ob es sich um Modelle mit antiquiert wirkendem Handaufzug handelt oder um die populären Automatikwerke. Bei ihnen zieht sich die Feder des Uhrwerks automatisch durch die Bewegungen des Handgelenks auf. Grundsätzlich gilt: Mechanische Armbanduhren gibt es bereits ab etwa 500 Euro.

Preistreiber Nummer zwei ist die Marke. Bekanntheit und die vom Hersteller eingesetzten Technologien entscheiden nicht nur darüber, wie viel die Uhren neu kosten. Sie sind auch dafür verantwortlich, welchen Wert und welche Begehrlichkeit die Uhr auf Dauer hat. Für eine gut gemachte No-Name-Uhr interessiert sich nach einigen Jahren kaum mehr jemand. Auch extrem teure und nur Insidern bekannte Luxusmarken tun sich schwer auf dem Markt.

Ein wichtiger Indikator für Käufer ist, dass die Uhr von einem traditionsreichen Unternehmen stammt, das idealerweise schon im 19. Jahrhundert Uhren fertigte. Wichtig ist aber auch die Herkunft. Schweizer Uhren gehen immer, in Deutschland darüber hinaus auch Uhren heimischer Produktion. Uhren aus anderen Staaten gelten als Exoten.

Der dritte Einflussfaktor ist das verwendete Material. Gehäuse aus Edelmetallen sind zwar extrem teuer, allerdings schon aufgrund des reinen Materialwerts wertstabil. Titan ist zwar leicht und ebenfalls hochpreisig, aber nicht so wertstabil wie Gold und Platin. Edelstahl ist letztlich auch ein populärer Standard. Nur Kunststoff darf es auf keinen Fall sein.

Interessante Nischen zum Einstieg

Das preisliche Grundniveau startet bereits bei etwa 1500 Euro. In diesem Preisrahmen gibt es schon mechanische Edelstahluhren namhafter Hersteller. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Modelle der alten Schweizer Marke Mido, etwa der Commander Chronometer. Er weist die Besonderheit auf, dass er COSC-zertifiziert ist und sich daher Chronometer nennen darf. Das entsprechende Zertifikat bürgt für eine besonders hohe Ganggenauigkeit des Uhrwerks, was üblicherweise nur bei deutlich hochpreisigeren Modellen zu finden ist.

Handwerkskunst. Der Wert mechanischer Armbanduhren beruht auch auf der aufwendigen Arbeit der Uhrmacher, die das Uhrwerk zusammensetzen – wie hier bei Jaeger-LeCoultre.

In der gleichen Preisklasse bewegen sich auch zahlreiche Modelle des Frankfurter Herstellers Sinn. Die Besonderheit des erst 1961 gegründeten Unternehmens ist seine enge Verbindung zu Marine, Luftwaffe und Spezialeinheiten. So lässt beispielsweise die GSG 9 dort ihre Uhren fertigen. Entsprechend sind U-Boot-Stahl, magnetfeldgeschützte Uhrwerke und eine klare Ablesbarkeit authentische Merkmale von Sinn-Uhren, die sich teilweise auch in betont zivilen Modellen wie dem Modell 556 (rund 1300 Euro) wiederfinden.

Wer rund doppelt so viel investieren will, findet zum Beispiel bei Longines interessante Modelle. Das traditionsreiche Unternehmen produziert Klassiker, unter anderen die bereits in den 1950er-Jahren vorgestellte Conquest. Die Langlebigkeit dieser Baureihe macht sie so wertvoll, die heute als Conquest Heritage für rund 3000 Euro fortlebt. Während Longines wie auch viele andere Hersteller zu Unternehmensgruppen gehören, ist die Schweizer Marke Oris unabhängig, was sie für Sammler reizvoll macht. Die Taucheruhr Aquis Small Second (rund 2500 Euro) verkörpert das.

Luxussegment mit bekannten Namen

Im Preissegment ab 6000 Euro tauchen erstmals Marken auf, die einem breiteren Adressatenkreis geläufig sind. Zum Beispiel Breitling mit der Superocean Heritage (rund 6500 Euro) oder die James-Bond-Uhrenmarke Omega mit der klassisch-eleganten De Ville in Edelstahl. Beide Modelle sind nicht nur präzise und fein verarbeitet, sondern profitieren beim Werterhalt auch vom Markenbonus.

Nicht in klassischen Kategorien denken. Mit dem Namen Omega verbinden viele maskuline Chronografen. Doch es gibt auch reduzierte Designs wie die De Ville.

Den gibt es erst recht im Luxussegment, wo die Preise meist fünfstellig sind. Zum Beispiel bei der Jaeger-LeCoultre Reverso im Art-déco-Stil, die bereits seit den 1930er-Jahren durchgängig gebaut wird und vor allem in der Damenwelt beliebt ist. Der Gegenentwurf dazu sind die technisch-maskulinen Modelle von IWC, etwa der Portugieser Chronograph. Den gibt es laut Herstellerwebseite schon ab 9100 Euro. Der Goldstandard in der Branche ist allerdings ein anderes Modell: der Rolex Cosmograph Day­tona –eine Uhr, die ab 15.000 Euro erhältlich ist und bei der tatsächlich Wertzuwächse möglich sind. Das gilt vor allem dann, wenn die Uhr ungetragen bleibt. Aber wer will das schon?

 

Worauf beim Kauf einer Uhr zu achten ist

Wer langfristig Freude an seinem Schmuckstück haben will, sollte einiges beachten:

  • Hände weg von Smartwatches und Uhren mit Quarzwerk. Sie verlieren schnell an Wert.
  • Uhren nur im Fachhandel kaufen. Sowohl im Internet als auch auf ausländischen Märkten tummeln sich zu viele schwarze Schafe, die Imitate verkaufen.
  • Taucher- und Pilotenuhren haben längst ihren Platz in der formellen Mode erobert. Auch der Grundsatz, dass es zum Anzug kein Metallarmband sein darf, ist längst passé. Wichtig ist dagegen: Das Gehäuse darf nicht zu groß, das Zifferblatt nicht zu schrill gestaltet sein.
  • Wer nicht schon einen Favoriten im Auge hat, sollte mehrgleisig fahren und sich umfassend informieren: über Marke, Versionen der Uhr und ob es ähnliche Modelle bei anderen Herstellern gibt.
  • Der Uhrenfachhandel hat Spielräume. Preisverhandlungen und -vergleiche lohnen fast immer.
  • Klären, wie die Uhr getragen werden soll: Ist sie eine Sonntagsuhr für besondere Anlässe oder kommt sie täglich zum Einsatz? Dann sollte sie etwas robuster und stilistisch nicht zu auffällig sein.
  • Das Wichtigste bleibt, dass die Armbanduhr gefällt und man mit ihr vielleicht etwas Besonderes verbindet – zum Beispiel einen Anlass. Das steigert den persönlichen Wert ins Unermessliche.

 

Kein Fachchinesisch

Der Portugieser Chronograph von IWC gilt als Uhr für Männer, die inzwischen auch in der Damenwelt beliebt ist – zum Teil auch in vergleichsweise großen Dimensionen. Bonus: Man kann durch den transparenten Boden das Innenleben sehen.

Beim Uhrenkauf stößt man unweigerlich auf zahlreiche Fachbegriffe.

  • Automatikwerk. Mechanisches Uhrwerk, das sich durch Bewegung selbst aufzieht.
  • Handaufzugswerk. Mechanisches Uhrwerk, das circa alle zwei Tage von Hand aufgezogen werden muss.
  • Gangreserve. Gibt an, wie lange ein Uhrwerk läuft, ohne aufgezogen zu werden.
  • Chronometer. Mechanische Uhr mit besonders hoher Ganggenauigkeit.
  • Chronograf. Armbanduhr mit zusätzlicher Stoppuhrfunktion.
  • Komplikation. Neben Uhrzeit und Datum sind aufwendigere Uhrwerke in der Lage zu weiteren Funktionen: Ewiger Kalender, Weltzeiten oder Wecker gehören dazu.

 

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